Stimmtherapie bei Transidentität/Transsexualität

 

Stimme und Sprechweise sind wesentliche Ausdruckskanäle unserer menschlichen Identität.

Als sekundäres Geschlechtsmerkmal spielt die Stimme deshalb auch eine entscheidende Rolle beim

Identitätswechsel.

 

Während es bei Frau zu Mann Transsexuellen durch die Hormontherapie meist zu einem

befriedigenden Absinken der Stimme kommt, ändert sich durch die Hormontherapie bei Mann zu Frau

Transsexuellen zwar manchmal die Klangfarbe der Stimme, aber nicht die Sprechstimmlage.

Die Durchschnittsfrau spricht aber nicht nur höher - ihre gesamte Sprechweise z.B. Modulation, die

sprechbegleitende Mimik und Gestik sowie die Wortwahl und Satzbildung unterscheidet sie ebenfalls

- vom Durchschnittsmann.

 

Bereits während meines Psycholinguistikstudiums habe ich mich aus persönlichem Interesse viel mit

geschlechtsspezifischer Kommunikation beschäftigt. Dies kommt mir nun bei der Arbeit mit

transsexuellen Menschen zu Gute.

 

Ziele der Therapie sind:

  • durch gezielte Stimmübungen, langsam und schrittweise, eine höhere mittlere Sprechstimmlage zu trainieren und zu stabilisieren ohne den Kehlkopf dabei zu überlasten
  • durch das Experimentieren mit Klangräumen und Klangfarben einen möglichst überzeugenden, weiblichen Stimmklang zu erarbeiten
  • durch die Arbeit mit Texten und in freier Rede unterschiedliche Sprechweisen sowie den Einsatz von Mimik und sprechbegleitender Gestik zu erproben

 

Dabei ist es mir wichtig, nicht dem Klischeehaften sondern der individuellen Weiblichkeit zum

Ausdruck zu verhelfen.

 

Dies ist immer ein Entwicklungsprozeß, der Zeit und Geduld erfordert.

Das Stimmtraining sollte möglichst schon in der Orientierungsphase beginnen damit bis zum "coming

out" eine sichere stimmliche Basis erarbeitet werden kann, denn:

Stimme und Sprechweise beeinflussen maßgeblich, wie überzeugend das "Zielgeschlecht" im

Alltagstest gelebt werden kann.